Offenes Buch mit Globus als Symbol für CSRD-Studie und Entwicklung der ESG-Berichterstattung

Was sich in Jahr 2 der CSRD wirklich verändert hat

Doppelte Wesentlichkeit unter der CSRD verändert sich schneller als viele erwartet haben.

Eine neue Langzeitstudie der Universität Hamburg analysiert die Ergebnisse von Doppelten Wesentlichkeitsanalysen (DMA) von 241 EU-Unternehmen für FY2024 und verfolgt die Entwicklung für 202 davon bis FY2025 und zeigt deutliche Verschiebungen in der praktischen Umsetzung der ESRS.

Die zentralen Befunde:
→ Unternehmen stufen im zweiten Jahr weniger Standards als wesentlich ein
→ Der Rückgang betrifft vor allem die finanzielle Wesentlichkeit (Risiken & Chancen)
→ Negative Auswirkungen bleiben dagegen stabiler, sie sind schwerer zu revidieren
→ Sektorale Unterschiede sind erheblich, besonders ausgeprägt im Finanzsektor

Besonders interessant: Während Umweltstandards (vor allem ESRS E2 – Umweltverschmutzung) die stärksten Rückgänge verzeichnen, stiegen die Wesentlichkeitsraten bei Governance (G1) und betroffenen Gemeinschaften (S3) leicht an. E1 (Klimawandel) und S1 (Eigene Belegschaft) blieben nahezu universell wesentlich.

Darüber hinaus wird deutlich:
Durchschnittliche Seitenzahl der Berichte sank leicht (118 → 114 Seiten)
Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Wortanzahl (62.574 → 65.650 Wörter)
Umfang und Informationsdichte müssen also gemeinsam betrachtet werden, Seitenzahl allein sagt wenig.

Die Erkenntnisse haben eine wichtige regulatorische Dimension: Genau die ersten FY2024-Berichte, geprägt von Unsicherheit und einer frühen Lernphase, wurden häufig als Grundlage für Diskussionen um ESRS-Vereinfachungen herangezogen.

Die Studie zeigt: Unternehmen entwickeln ihre Analysen bereits ohne formale Regeländerungen weiter. Das sollte in der Vereinfachungsdebatte nicht unberücksichtigt bleiben.

retria begleitet Unternehmen dabei, Wesentlichkeitsanalysen strategisch, nachvollziehbar und langfristig belastbar aufzubauen.

Den Link zur Studie finden Sie hier: Link zur Studie